Home Golf AnfängerGolfgriff finden: Welche Griffhaltung passt zu mir? 2026

Golfgriff finden: Welche Griffhaltung passt zu mir? 2026

by Tobias Bojko

Die richtige Griffhaltung im Golf hängt von der Größe deiner Hände, deiner Fingerlänge und deiner Schwunggeschwindigkeit ab. Golfer mit kleineren Händen oder schwächerer Handkraft fahren meist besser mit dem Interlocking-Grip, während Spieler mit großen Händen den Overlap-Grip bevorzugen. Anfänger mit sehr wenig Handkraft testen zusätzlich den Baseball-Grip, bevor sie sich festlegen. Wer unsicher ist, sollte alle drei Varianten je mindestens 50 Bälle auf der Range ausprobieren, bevor er sich für eine Saison festlegt, denn ein Griffwechsel mitten in der Saison kostet meist zwei bis drei Wochen Eingewöhnung und schlägt sich vorübergehend in einem um 3 bis 5 Schläge schlechteren Score nieder.

Die drei Grundgriffe im Überblick

Beim Golf gibt es drei etablierte Grifftechniken, die sich in der Verbindung der Hände am Schlägergriff unterscheiden. Der Overlap-Grip (auch Vardon-Grip genannt, benannt nach dem britischen Golfer Harry Vardon) legt den kleinen Finger der unteren Hand über den Zeigefinger der oberen Hand. Diese Variante nutzen laut Schätzungen von Golflehrern etwa 80 Prozent der Tourspieler.

Der Interlocking-Grip verhakt den kleinen Finger der unteren Hand mit dem Zeigefinger der oberen Hand ineinander. Tiger Woods und Jack Nicklaus spielten beide mit dieser Variante, obwohl beide keine besonders kleinen Hände hatten – ein Beleg dafür, dass Handgröße nicht das einzige Kriterium ist.

Der Baseball-Grip (Ten-Finger-Grip) lässt alle zehn Finger den Schläger umschließen, ohne Überlappung oder Verhakung. Diese Methode eignet sich besonders für Kinder, Senioren und Golfer mit Arthrose oder eingeschränkter Griffkraft, da weniger Kraft in den Fingern nötig ist, um den Schläger zu kontrollieren.

🏌️ Passende Ausrüstung dazu

Affiliate-Links: Kaufst du über diese Links, erhalten wir eine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.

Vergleich der drei Grifftechniken

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen, damit du schneller einschätzen kannst, welcher Grip zu deiner Handgröße, deiner Kraft und deinem Handicap passt.

GrifftypIdeal fürHandgrößeVorteilNachteil
Overlap (Vardon)Handicap 0–18, Erwachsene mit normaler bis großer Handab ca. 19 cm HandumfangMehr Gefühl in den Fingerspitzen, präzises TimingWeniger Stabilität bei sehr kleinen Händen
InterlockingHandicap 0–36, kleine bis mittlere Hände, kurze Fingerbis ca. 18–20 cm HandumfangBeide Hände wirken wie eine Einheit, mehr KontrolleKann bei großen Händen unbequem sein
Baseball (Ten-Finger)Kinder unter 12 Jahren, Senioren, Golfer mit Arthroseunabhängig von der GrößeGeringster Kraftaufwand, einfach zu erlernenNeigt bei schnellem Schwung zu Slice-Effekten

Wie du deinen Grip Schritt für Schritt aufbaust

Beginne mit der linken Hand (für Rechtshänder). Lege den Griff diagonal über die Finger, nicht in die Handfläche, sodass der Schlägergriff vom untersten Fingerglied des Zeigefingers bis zum Handballen verläuft. Der V-förmige Winkel zwischen Daumen und Zeigefinger sollte zur rechten Schulter zeigen – das nennt man eine „starke“ Griffposition, wenn das V deutlich über die rechte Schulter hinauszeigt, und eine „schwache“ Position, wenn es eher zum Kinn zeigt. Für die meisten Anfänger empfiehlt sich eine neutrale Stellung, bei der das V exakt auf die rechte Schulter zeigt.

Setze anschließend die rechte Hand darunter, sodass die Lifeline der rechten Handfläche über dem Daumen der linken Hand liegt. Erst danach wählst du, ob du überlappst, verhakst oder alle zehn Finger nutzt. Der Griffdruck sollte auf einer Skala von 1 (sehr locker) bis 10 (maximal fest) bei etwa 4 bis 5 liegen – vergleichbar mit dem Druck, mit dem du eine Zahnpastatube hältst, ohne dass Paste herausquillt. Ein zu fester Griff reduziert die Schlägerkopfgeschwindigkeit nachweislich um mehrere Stundenkilometer, weil die Unterarmmuskulatur verkrampft und die natürliche Rotation im Schwung blockiert.

Griffstärke und ihre Auswirkung auf die Ballflugkurve

Die Position der Hände am Griff – stark, neutral oder schwach – beeinflusst direkt, ob der Schlägerkopf beim Treffmoment offen, geschlossen oder quadratisch steht. Ein starker Grip, bei dem beide Hände weit nach rechts gedreht sind, begünstigt einen geschlossenen Schlägerblattwinkel im Treffmoment und führt häufig zu einem Draw oder, bei Übertreibung, zu einem Hook, der den Ball 10 bis 20 Meter nach links von der Ziellinie abbiegen lässt. Ein schwacher Grip erhöht dagegen das Risiko eines Slices, bei dem der Ball nach rechts wegkurvt.

Golflehrer der PGA of Germany empfehlen Einsteigern in der Regel eine neutrale bis leicht starke Griffposition, weil sich damit die häufigste Anfängertendenz – der Slice – am einfachsten ausgleichen lässt. Wer mit dem Driver regelmäßig 15 Meter oder mehr nach rechts verliert, sollte zunächst die Griffposition um 5 bis 10 Grad im Uhrzeigersinn drehen, bevor er größere technische Änderungen im Schwung vornimmt. Eine Anpassung des Grips ist meist die kostengünstigste und schnellste Korrektur, da sie ohne zusätzliches Training am Wochenende umsetzbar ist und sich schon nach einem Eimer Bälle (ca. 50 Stück) spürbar auswirkt.

Häufige Fehler bei der Griffhaltung – und wie du sie korrigierst

  • Griff in der Handfläche statt in den Fingern: Der Schläger liegt zu tief in der Hand, was die Handgelenksbeweglichkeit einschränkt. Korrektur: Griff diagonal über die Fingerwurzeln legen, sodass er beim Öffnen der Hand sichtbar in den Fingern verbleibt.
  • Zu fester Griffdruck:
  • Falsche Daumenposition: Der linke Daumen liegt zu weit rechts oder zu weit links auf dem Griff, statt leicht rechts der Griffmitte. Korrektur: Daumen knapp rechts der Mittellinie platzieren, damit die rechte Hand sauber andocken kann.
  • Ungleiche Griffdrücke beider Hände: Die dominante Hand (meist rechts bei Rechtshändern) übernimmt zu viel Kontrolle. Korrektur: Bewusst auf ein 50:50-Verhältnis der Griffkraft zwischen beiden Händen achten.
  • Grip nicht an neuen Schläger angepasst: Nach einem Schlägerwechsel bleibt die alte Griffstärke unverändert, obwohl der neue Griffdurchmesser abweicht. Korrektur: Griffstärke beim Fitting mit 1/64-Zoll-Schritten (Standard, Midsize, Jumbo) neu bestimmen lassen.

Griffdicke und Material richtig wählen

Neben der Handhaltung entscheidet auch die Griffdicke über Komfort und Ballflug. Standardgriffe haben einen Durchmesser von etwa 23 bis 24 mm, Midsize-Griffe liegen bei 25 bis 27 mm und Jumbo-Griffe bei 28 mm oder mehr. Ein zu dünner Griff verleitet dazu, fester zuzupacken, was wiederum zu mehr Hakenschlägen (Hooks) führt. Ein zu dicker Griff erschwert dagegen das Zudrehen des Schlägerblatts und begünstigt Slices.

Als Faustregel gilt: Bei einer Handschuhgröße M sollte der Standardgriff passen, bei L oder XL lohnt sich ein Midsize-Griff. Golfhändler bieten häufig ein kostenloses Grip-Fitting an, das 10 bis 15 Minuten dauert und bei dem die Fingerlänge sowie die Griffkraft mit einem Messgerät erfasst werden. Ein neuer Satz Griffe kostet je nach Material – Gummi, Cord oder Hybrid – zwischen 6 und 15 Euro pro Griff, bei 14 Schlägern also insgesamt zwischen 84 und 210 Euro inklusive Montage. Cord-Griffe bieten mehr Halt bei Nässe und Schweiß, fühlen sich aber rauer an, während reine Gummigriffe weicher, aber bei Regen rutschiger sind. Golfer, die überwiegend bei feuchtem Wetter spielen, etwa in Norddeutschland oder Irland, profitieren von Cord- oder Hybrid-Griffen mit erhöhtem Grip-Anteil an Daumen- und Handflächenbereich.

Griffwechsel im Trainingsalltag: So gehst du strukturiert vor

Ein Griffwechsel sollte nie unmittelbar vor einem Turnier erfolgen, da sich die neue Handposition erst nach etwa 300 bis 500 wiederholten Schwüngen automatisiert. Plane für die Umstellung mindestens drei bis vier Trainingseinheiten von je 45 Minuten auf der Range ein, bevor du den neuen Grip auf dem Platz testest. Viele Golflehrer empfehlen, den Wechsel zunächst nur mit dem Pitching Wedge und dem 7er-Eisen zu üben, da diese Schläger ein direkteres Feedback über den Schlägerblattwinkel im Treffmoment liefern als der Driver.

Hilfreich ist außerdem ein kurzes Video mit dem Smartphone aus der Face-on-Perspektive, um die Handposition mit Referenzbildern von Golflehrern zu vergleichen. Wer sich unsicher ist, ob die Griffumstellung tatsächlich den gewünschten Effekt – etwa weniger Slice oder mehr Distanz – bringt, sollte den Ballflug über mindestens 20 Schläge pro Schlägertyp dokumentieren, statt die Bewertung nach nur drei oder vier Bällen vorzunehmen, da Streuung im normalen Schwungverhalten sonst zu Fehlschlüssen führt.

Für wen sich welcher Grip besonders lohnt

Golfer mit Handicap über 24 und geringer allgemeiner Griffkraft, etwa nach einer Handoperation oder bei beginnender Arthrose, fahren mit dem Baseball-Grip meist am besten, weil er die Belastung auf die kleinen Fingergelenke reduziert. Spieler mit Handicap zwischen 5 und 24, die überwiegend an Genauigkeit arbeiten, profitieren häufig vom Interlocking-Grip, da er beide Hände fester zu einer Einheit verbindet und ungewolltes Lösen der Finger im Durchschwung verhindert. Low-Handicapper und Turnierspieler mit Handicap unter 5 setzen meist auf den Overlap-Grip, weil er mehr Fingerspitzengefühl im kurzen Spiel erlaubt, etwa beim Chippen aus 5 bis 15 Metern Entfernung zur Fahne.

Kinder zwischen 6 und 10 Jahren sollten grundsätzlich mit dem Baseball-Grip beginnen, da ihre Finger für Interlocking oder Overlap oft noch zu kurz sind. Erst ab einer Handgröße, bei der der kleine Finger bequem über den Zeigefinger der anderen Hand reicht, lohnt sich der Wechsel zu einer der beiden anderen Techniken – meist ab einem Alter von 11 bis 13 Jahren.

Kann ich meinen Golfgriff im Laufe der Karriere noch ändern?

Ja, viele Tourspieler haben ihren Grip im Laufe ihrer Karriere angepasst, etwa bei anhaltenden Problemen mit Slice oder Hook. Ein Wechsel ist in jedem Alter möglich, erfordert aber Geduld: Rechne mit spürbaren Score-Schwankungen von 3 bis 6 Schlägen während der ersten vier bis sechs Wochen der Umgewöhnung.

Welcher Grip ist am einfachsten für absolute Anfänger?

Der Baseball-Grip gilt als am leichtesten erlernbar, weil alle zehn Finger den Schläger auf natürliche Weise umschließen und wenig Fingerkoordination nötig ist. Für den Übergang ins Amateur- oder Vereinsspiel wechseln die meisten Golfer später jedoch zum Interlocking- oder Overlap-Grip, da diese mehr Kontrolle über den Schlägerblattwinkel ermöglichen.

Wie erkenne ich, ob mein Griffdruck zu fest ist?

Ein klares Zeichen ist Muskelkater in Unterarmen oder Handgelenken nach dem Training, der bei lockerem Griff normalerweise ausbleibt. Auch weiße Fingerknöchel während des Schwungs oder ein regelmäßig zu kurzer Ballflug trotz sauberem Treffmoment deuten auf einen zu festen Griffdruck von Stufe 7 oder höher hin.

Brauche ich für jeden Grip-Typ unterschiedliche Handschuhe?

Nein, die Handschuhgröße richtet sich nach der Handbreite und -länge, nicht nach der gewählten Grifftechnik. Wichtig ist lediglich, dass der Handschuh eng anliegt, damit kein zusätzliches Spiel zwischen Handschuh und Griff entsteht, das die Kontrolle über den Schlägerkopf verringert.

Das könnte dir auch gefallen