Europas Kapitänin Anna Nordqvist und ihr Team feiern den 15:13-Sieg in Bernardus. Foto: LET
Nelly Korda und Charley Hull live erleben, von der Lounge-Terrasse an Loch 16 mitfiebern und am Ende Europas Sieg feiern: Wir waren beim Solheim Cup 2026 in Bernardus vor Ort. Was bleibt, ist weit mehr als das 15:13 gegen die USA.
Es gibt ein Bild, zu dem wir in Gedanken immer wieder zurückkehren: der Blick von unserer Lounge-Terrasse auf das Geschehen an Loch 16. Ein guter Platz zum Zuschauen, etwas zu essen und die Gewissheit, gerade bei einem dieser Golfereignisse zu sein, an die man sich noch lange erinnern wird. Das Wetter spielte nicht durchgehend mit. Unsere Begeisterung schon.
Vom 11. bis 13. September 2026 trafen in Bernardus Golf im niederländischen Cromvoirt die Teams aus Europa und den USA aufeinander. Am Ende stand ein 15:13 für Europa. Ein knapper Sieg, hart erarbeitet und bis in die entscheidende Phase umkämpft. Für uns war dieser Solheim Cup aber auch ein sehr persönliches Erlebnis: wegen der Spielerinnen, wegen der Atmosphäre und wegen der Menschen, die diesen Besuch so angenehm gemacht haben.
Nelly Korda und Charley Hull: Weltklasse aus nächster Nähe
Natürlich kennt man die Namen. Man hat Nelly Korda und Charley Hull im Fernsehen gesehen, ihre Schläge verfolgt, ihre Ergebnisse gelesen. Trotzdem ist es etwas anderes, diese Spielerinnen tatsächlich auf dem Platz zu erleben. Für uns gehörte genau das zu den großen Höhepunkten in Bernardus.
Live bekommt die Leistung eine andere Dimension. Der Blick ist nicht auf den Bildausschnitt einer Kamera begrenzt. Man sieht die Aufgabe vor der Spielerin und verfolgt selbst, wie sie sie löst. Man wartet mit auf den nächsten Schlag. Und obwohl man weiß, dass hier Weltklasse am Werk ist, bleibt dieses Staunen: wie gut Golf auf diesem Niveau tatsächlich sein kann.
Korda und Hull stehen für zwei Mannschaften, für zwei Seiten dieses Wettbewerbs. Unsere Sympathien lagen bei Europa. Die Freude, solche Spielerinnen live zu sehen, brauchte diese Grenze nicht. Das war einer der schönsten Aspekte unseres Besuchs: mitfiebern und zugleich die Klasse auf beiden Seiten bewundern.

Durchwachsenes Wetter, großartige Stimmung
Ein Golfturnier unter freiem Himmel lässt sich bis ins Detail vorbereiten. Das Wetter hält sich trotzdem an keinen Ablaufplan. In Bernardus war es wechselhaft, und natürlich hätten wir gegen mehr Sonne nichts einzuwenden gehabt. Der Atmosphäre tat das aus unserer Sicht erstaunlich wenig Abbruch.
Die Stimmung war großartig. Dieser Wettbewerb zieht einen hinein, weil jeder einzelne Punkt für eine Mannschaft zählt. Ein verlorenes Loch betrifft plötzlich mehr als eine persönliche Runde, ein gewonnenes Match mehr als die eigene Platzierung. Als Zuschauer spürt man diese zusätzliche Bedeutung. Wir haben sie jedenfalls mit nach Hause genommen.
Dabei blieb uns auch das Drumherum ausgesprochen positiv in Erinnerung. Die Organisation war aus unserer Sicht erstklassig. Besonders hervorheben möchten wir die freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bei einer Veranstaltung dieser Größe ist ein zugewandter Umgang keine Kleinigkeit. Er entscheidet mit darüber, ob man sich als Gast willkommen fühlt. Wir haben uns willkommen gefühlt.

The Tap Inn: unser Lieblingsplatz an Loch 16
Zusätzlich zum Turnierbesuch hatten wir das Hospitality-Paket The Tap Inn gebucht. Laut offizieller Paketbeschreibung gehörten Frühstück, Mittagessen, Snacks und Barservice dazu; der Bereich bot Blick auf den Abschlag der 16 und das Grün der 17. Für uns war das eine sehr gute Entscheidung. Besonders die Terrasse, von der aus wir das Geschehen verfolgen konnten, hat es uns angetan.
Hier konnten wir uns Zeit nehmen, etwas essen und in Ruhe Golf schauen. Gerade bei durchwachsenem Wetter machte dieser zusätzliche Komfort unseren Besuch angenehmer. Der eigentliche Luxus war für uns aber die Aussicht: Platz nehmen und weiter am Geschehen teilhaben, ohne dass die Pause zugleich eine Unterbrechung des Turniererlebnisses bedeutete.
Wer einen solchen Besuch plant, sollte sich bei Hospitality-Angeboten deshalb auch die Lage genau ansehen. Für uns war der Blick auf den Platz der entscheidende Mehrwert. An das Essen erinnern wir uns als Teil eines gelungenen Gesamtpakets. An das Zuschauen von der Terrasse werden wir noch länger denken.
Ein Samstag, der den Sonntag wieder völlig öffnete
Sportlich lieferte dieser Solheim Cup reichlich Gründe, aufmerksam zu bleiben. Europa erarbeitete sich am Samstagvormittag eine 7:5-Führung. Drei der vier Foursomes gingen an das Team von Kapitänin Anna Nordqvist. In diesem Format teilen sich zwei Spielerinnen einen Ball und schlagen abwechselnd – Vertrauen in die Partnerin ist also unmittelbar Teil des Spiels.
Am Nachmittag schlugen die Amerikanerinnen zurück. Besonders Jennifer Kupcho prägte die Schlussphase: An der Seite von Lindy Duncan lag sie gegen Carlota Ciganda und Céline Boutier zwei Löcher vor Schluss noch zurück. Dann lochte sie auf der 17 einen außergewöhnlich langen Birdieputt und auf der 18 gleich den nächsten. Das US-Duo gewann mit einem Loch Vorsprung. Nach zwei Tagen stand es 8:8.
Es war eine eindringliche Erinnerung daran, wie schnell sich Matchplay verändern kann. Eine Führung ist eine gute Ausgangslage. Sicherheit bietet sie nicht. Vor den zwölf Einzeln war der Wettbewerb wieder offen.
Esther Henseleit zwischen Teamglück und persönlicher Enttäuschung
Aus deutscher Sicht führt an Esther Henseleit kein Weg vorbei. Gemeinsam mit Leona Maguire gewann sie beide Foursomes: am Freitag gegen Andrea Lee und Lindy Duncan, am Samstag gegen Jennifer Kupcho und Rose Zhang. Zwei wichtige Punkte für Europa.
Nach dem Samstag hob Henseleit laut Veranstalter die Unterstützung der Fans hervor: „Das Publikum war heute großartig“, sagte sie, aus dem Englischen übersetzt. Die Zuschauer hätten geholfen, auf den zweiten neun Löchern die Wende zu schaffen. Das passte zu unserem Eindruck von dieser besonderen Atmosphäre.
Am Sonntag folgte für Henseleit ein schmerzhaftes Einzel. Gegen Alison Lee lag sie nach elf Löchern vier auf. Lee spielte auf den Schlussbahnen jedoch überragend, schaffte fünf Birdies innerhalb von sechs Löchern und gewann noch mit einem Loch Vorsprung. Die LPGA bezeichnete das als größte erfolgreiche Aufholjagd in der Geschichte der Solheim-Cup-Einzel.
Henseleits Wochenende allein auf diese Niederlage zu reduzieren, würde ihrer Leistung nicht gerecht. Ihre beiden Siege im Vierer standen genauso auf Europas Konto. Und auch Lees Geschichte lässt sich nicht allein am Mannschaftsergebnis ablesen: vier Einsätze, vier Siege, trotzdem kein Pokal. Selten liegen persönliche Leistung und gemeinsames Ergebnis so sichtbar auseinander wie im Teamgolf.
Carlota Ciganda holt den entscheidenden Punkt
Als es um die Entscheidung ging, war Carlota Ciganda zur Stelle. Die Spanierin gewann ihr Einzel gegen Jennifer Kupcho mit 4&2, also mit vier Löchern Vorsprung bei zwei verbleibenden Löchern. Nachdem Lottie Woad Europa zuvor auf 14 Punkte gebracht hatte, lieferte Ciganda den Punkt zum sicheren Sieg.
Schon 2023 hatte Ciganda den ausschlaggebenden Beitrag dazu geleistet, dass der Pokal in Europa blieb. Nun war sie erneut die Spielerin des entscheidenden Moments. Diesmal gewann Europa die Trophäe zurück.
Der Erfolg hatte viele Gesichter. Linn Grant gewann alle vier ihrer Matches. Auch die Neulinge trugen erheblich zum Ergebnis bei: Nastasia Nadaud holte drei Siege aus vier Einsätzen; Julia López Ramírez und Lottie Woad gewannen ihre Einzel. Europa entschied die Sonntagssession mit 7:5 für sich.
Für uns war dieses 15:13 der schönste sportliche Abschluss eines ohnehin besonderen Besuchs. Wir hatten mit Europa mitgefiebert. Jetzt war der Sieg da. Dass die Amerikanerinnen den Wettbewerb so lange offen gehalten hatten, machte die Freude darüber nur größer.
Was von Bernardus bleibt
Wenn wir an den Solheim Cup 2026 zurückdenken, kommt einiges zusammen: die Freude, Nelly Korda und Charley Hull live zu erleben. Die tolle Stimmung trotz des durchwachsenen Wetters. Die freundlichen Menschen, die hervorragende Organisation und unser Platz auf der Lounge-Terrasse an Loch 16.
Natürlich bleibt auch der europäische Sieg. Aber die Erinnerung besteht aus mehr als der Ergebnistafel. Es war die Verbindung aus Weltklassegolf und einem rundum gelungenen Besuch, die Bernardus für uns besonders gemacht hat.
Wir würden wiederkommen. Für die Spielerinnen. Für die Spannung. Und für dieses Gefühl, an einem Ort zu sein, an dem gerade sehr viele Menschen dasselbe tun: auf den nächsten Schlag warten und mit ganzem Herzen dabei sein.
Der Solheim Cup 2026 auf einen Blick: 11.–13. September 2026 · Bernardus Golf, Cromvoirt, Niederlande · Europa 15:13 USA · Kapitäninnen: Anna Nordqvist und Angela Stanford · Stand vor den Einzeln: 8:8 · Einzel: 7:5 für Europa.