Home Golf TrainingSchlagvarianten rund ums Grün: Chip, Pitch & Putt richtig

Schlagvarianten rund ums Grün: Chip, Pitch & Putt richtig

Finde heraus, welche Schlagvarianten rund ums Grün wann die beste Wahl ist.

by Tobias Bojko
Schlagvarianten - Ein Golfer nähert sich dem grün an mit einem Chip

Schlagvarianten rund ums Grün: So wählst du clever

Chip, Pitch oder Putt vom Vorgrün – die richtige Wahl hängt von drei Faktoren ab: Lage des Balls, Distanz zum Grün und Hindernisse dazwischen. Bei freier Bahn und kurzem Gras gewinnt fast immer der Putter, bei Rough oder Bunkerkante zwischen Ball und Fahne braucht es Pitch oder Flop. Wer diese Entscheidung nach Lage statt nach Lieblingsschläger trifft, spart im Schnitt ein bis zwei Schläge pro Runde. Hier bekommst du die clevere Entscheidungshilfe fürs kurze Spiel.

🟢 Hinweis zur Bodenbeschaffenheit: Wenn im Artikel nicht anders angegeben, gehen wir von einem festen, trocken gemähten Fairway oder Vorgrün aus. Bei feuchtem, sandigem oder sehr dichtem Rough kann sich die Schlagauswahl deutlich verändern. Ein paar Beispiele:

  • Feuchter, weicher Boden: weniger Roll, eher pitchen
  • Harter, trockener Boden: mehr Roll, Chip oder Bump&Run ideal
  • Dickes Rough kurz vor dem Grün: Flop oder hoher Pitch erforderlich

Warum die richtige Schlagwahl entscheidend ist

Viele Hobbygolfer greifen automatisch zum Wedge, selbst wenn der Putter die bessere Wahl wäre. Dabei kannst du mit der passenden Schlagvariante Schläge sparen – selbst ohne perfekte Technik. Statistiken aus dem Amateurgolf zeigen: Golfer mit Handicap 20 bis 36 verlieren die meisten Schläge nicht auf dem Grün selbst, sondern in den ersten 20 bis 30 Metern davor. Ein verwedeltes Chip-Ergebnis von 8 Metern statt 1,5 Metern Puttdistanz kostet fast immer einen zusätzlichen Schlag. Wer stattdessen konsequent den einfachsten möglichen Schlag wählt – oft den Putt vom Vorgrün oder den simplen Chip mit dem 8er-Eisen – reduziert die Anzahl der „Chip-Yips“ und unsicheren Aufsetzpunkte erheblich. Faustregel aus der Praxis: Ist der Weg zum Loch frei von Hindernissen und das Gras kurz genug, um den Ball rollen zu lassen, gewinnt fast immer die risikoärmste Option. Erst wenn Höhe zwingend nötig ist – wegen Bunkerkante, Böschung oder dichtem Rough – kommt der Pitch oder Flop ins Spiel. Diese klare Priorisierung ist der Kern einer soliden Kurzspiel-Strategie und lässt sich in wenigen Trainingseinheiten verinnerlichen.

Die 6 wichtigsten Schlagtypen rund ums Grün

SchlagWann einsetzenTypischer Schläger
Putt vom VorgrünFlach, kurz gemäht, kein HindernisPutter
ChipKurze Flugphase, viel RollEisen 7–9, PW
Bump & RunEtwas längere Rollstrecke, z. B. bei HangEisen 6–8
PitchMehr Flug, wenig RollSand- oder Gap-Wedge
Flop-ShotHoch, wenig Roll, wenig PlatzLob-Wedge, Sand-Wedge
Lob (max. hoch)Extrem hoch über Hindernis, kurzer Landepunkt60° Lob-Wedge

Flug- und Rollverhältnis im Detail: Die Zahlen dahinter

Jeder Schlagtyp hat ein typisches Verhältnis zwischen Flugstrecke und Rollstrecke – dieses Verhältnis solltest du kennen, um die Landezone richtig zu berechnen. Bei einem Chip mit dem 8er-Eisen fliegt der Ball etwa ein Drittel der Gesamtstrecke und rollt zwei Drittel. Bei einem Pitch mit dem Sand-Wedge (56°) dreht sich das Verhältnis fast um: Der Ball fliegt rund 70 bis 80 Prozent der Strecke und rollt nur noch 20 bis 30 Prozent aus. Ein Flop-Shot mit dem 60°-Lob-Wedge landet nahezu ohne Roll – hier rechnest du mit 90 Prozent Flug und nur 10 Prozent Auslauf.

Konkretes Beispiel: Liegt die Fahne 12 Meter entfernt und der Ball direkt am Grünrand auf kurzem Vorgrün, reicht meist ein Putt oder ein Chip mit 2 Meter Flug und 10 Meter Roll. Liegt derselbe Ball dagegen 12 Meter entfernt, aber es liegt ein 1,5 Meter tiefer Bunkerrand mit Rough dazwischen, brauchst du einen Pitch, der mindestens 8 Meter fliegt und erst danach ausrollt. Diese Kalkulation im Kopf – Flugstrecke plus Rollstrecke gleich Gesamtdistanz – ist der wichtigste Baustein für konstante Ergebnisse rund ums Grün, wichtiger als die reine Schlagtechnik.

Entscheidungsmatrix: Welcher Schlag ist wann sinnvoll?

  • Viel Platz zum Rollen? → Chip oder Bump&Run
  • Ball liegt tief im Rough? → Pitch
  • Hohes Hindernis nah am Grün? → Flop oder Lob
  • Grünnähe, flacher Boden? → Putt vom Vorgrün
  • Nass oder weich? → Weniger Roll einplanen

Zusätzlich hilfreich: Bei einer Distanz unter 5 Metern zum Grünrand und freier Fahne wählen laut Faustregel viele Golflehrer grundsätzlich den Putter – selbst über Vorgrün-Kanten hinweg, da moderne Grünübergänge meist glatt geschnitten sind. Ab 5 bis 15 Metern Restdistanz mit Hindernissen wird der Chip zur Standardlösung, ab 15 bis 40 Metern mit wenig Roll-Bedarf übernimmt der Pitch. Der Flop bleibt Werkzeug für Ausnahmefälle innerhalb der ersten 10 Meter vor dem Grün, wenn ein Hindernis von mindestens 50 Zentimetern Höhe im direkten Weg liegt.

Trainings-Tipps pro Schlagtyp

1. Chip

  • Set-up: Gewicht nach vorn, wenig Handgelenk
  • Trainiere Längenkontrolle durch unterschiedliche Ziele
  • Übungsroutine: 20 Bälle auf drei Ziel-Ringe (3 m, 6 m, 9 m) verteilen, je Ring mindestens 4 Treffer anstreben

2. Pitch

  • Halbschwung mit offenem Wedge
  • Konstanz kommt durch Rhythmus, nicht durch Kraft
  • Trainiere feste Schwunglängen: 9-Uhr-, 10-Uhr- und 11-Uhr-Rückschwung ergeben unterschiedliche, aber wiederholbare Distanzen

3. Flop

  • Ball weit vorne, Schläger offen, weicher Boden nötig
  • Nicht für harte Links-Plätze oder bei Nässe!
  • Übe zunächst über ein niedriges Handtuch-Hindernis (30 cm), bevor du reale Bunkerkanten anspielst
4. Putt vom Vorgrün
  • Teste Ballreaktion auf Schnittkante Vorgrün/Grün
  • Oft sicherer als Chip mit Wedge
  • Nutze bei mehr als 2 Metern Vorgrün-Anteil grundsätzlich den Putter, wenn keine Böschung im Weg ist

Schläger und Grad: Welche Wedge-Bestückung sinnvoll ist

Die Schlägerwahl entscheidet maßgeblich über Flughöhe und Rollverhalten. Ein Pitching-Wedge mit 46° erzeugt einen flachen, weit rollenden Ball – ideal für Chips über 10 bis 20 Meter mit viel Auslauf. Ein Gap-Wedge mit 50 bis 52° liegt dazwischen und eignet sich für Pitches mittlerer Höhe. Das Sand-Wedge mit 54 bis 56° ist der Allrounder fürs Grünumfeld und funktioniert sowohl aus dem Rough als auch aus dem Bunker. Das Lob-Wedge mit 58 bis 60° ist für Flop-Shots und maximale Höhe reserviert, verlangt aber mehr Übung, da die Schlagfläche kleiner effektiv trifft.

Für Golfer mit Handicap über 24 empfiehlt sich eine reduzierte Auswahl: Ein Satz aus PW (46°), SW (54°) und optional GW (50°) deckt fast alle Situationen ab, ohne die Entscheidung unnötig zu verkomplizieren. Wer bereits unter Handicap 15 spielt, profitiert von einer vierten Wedge-Stufe mit 58° oder 60°, um Flop-Shots präziser zu dosieren. Wichtig: Mehr Schläger bedeuten nicht automatisch bessere Ergebnisse – entscheidend ist, dass du für jede Wedge die typische Flug-Roll-Distanz aus eigener Erfahrung kennst, am besten durch systematisches Einmessen auf der Range mit Entfernungsmesser.

Fehleranalyse: Die 3 größten No-Gos für HCP 36

  1. Immer zum Wedge greifen, auch bei perfekten Puttbedingungen
  2. Flop versuchen, obwohl zu wenig Platz oder falscher Boden
  3. Keine klare Vorstellung vom Landepunkt und Rollverhalten
📌 Merke: Der beste Schlag ist oft der einfachste. Wähle so, dass du den Ball sicher aufs Grün bekommst – nicht direkt zur Fahne.

Häufige Fehler beim kurzen Spiel – und die bessere Alternative

  • Fehler: Der Ball wird beim Chip zu weit hinten im Stand platziert, wodurch er zu hoch abhebt. Besser: Ball mittig bis leicht hinten der Standmitte platzieren und Gewicht klar auf den linken Fuß (Rechtshänder) verlagern.
  • Fehler: Beim Pitch wird mit voller Kraft geschwungen, um Distanz zu erzeugen. Besser: Längere, aber langsamere Schwunglänge statt mehr Kraft – Tempo bleibt konstant.
  • Fehler: Der Flop-Shot wird auf hartem, trockenem Boden versucht. Besser: Auf festem Untergrund einen niedrigen Bump&Run oder Pitch wählen, da die Schlagfläche sonst durchrutscht.
  • Fehler: Der Putt vom Vorgrün wird ignoriert, weil „das kein echter Putt sei“. Besser: Bei kurzem, trockenem Vorgrün konsequent putten – die Erfolgsquote ist meist höher als beim Chip.
  • Fehler: Zielpunkt ist direkt die Fahne statt eine Landezone. Besser: Landezone 1 bis 2 Meter vor dem Ziel definieren und Rollweg einkalkulieren.

Fazit: Dein neues Spielziel rund ums Grün

Mit cleverer Schlagwahl wirst du konstanter und reduzierst Doppelbogeys. Entscheide nach Lage, Hindernis und Rollverhalten – nicht nach „Lieblingsschläger“. Übe gezielt alle Varianten und nutze einfache Optionen so oft es geht.

Häufig gestellte Fragen zu Chip, Pitch und Putt

Wann sollte ich statt eines Chips lieber putten?

Immer dann, wenn der Weg zwischen Ball und Loch kurz gemäht und frei von Erhebungen ist – auch über die Vorgrün-Kante hinweg. Der Putt hat die geringste Fehleranfälligkeit aller Schlagarten, da keine Schlagflächenkontrolle in der Luft nötig ist. Als Faustregel gilt: Ist mehr als die Hälfte der Strecke zwischen Ball und Fahne kurz gemähtes Gras, ist der Putter die sicherere Option.

Welcher Schläger eignet sich am besten für Anfänger im kurzen Spiel?

Für Einsteiger mit Handicap über 30 ist ein Sand-Wedge mit 54° meist die beste Wahl, da es sowohl aus dem Rough als auch von festem Boden zuverlässig funktioniert. Ein zusätzliches Pitching-Wedge mit 46° deckt die längeren Chips ab. Auf ein Lob-Wedge mit 60° kann in der Anfangsphase verzichtet werden, da es präzisere Technik verlangt.

Wie berechne ich die richtige Landezone für einen Pitch?

Ziehe von der Gesamtdistanz zur Fahne die erwartete Rollstrecke ab, um die Landezone zu bestimmen. Bei einem Sand-Wedge-Pitch mit etwa 25 Prozent Rollanteil und einer Gesamtdistanz von 20 Metern landet der Ball idealerweise bei rund 15 Metern und rollt dann die restlichen 5 Meter aus. Diese Rechnung solltest du vor jedem Schlag kurz im Kopf durchgehen.

Warum verliere ich beim Chippen ständig Schläge, obwohl der Ball gut liegt?

Häufigste Ursache ist eine falsche Schlagwahl trotz guter Lage – etwa ein Pitch statt eines einfachen Chips bei freier Fahne. Zweithäufigste Ursache ist eine unklare Landezonen-Berechnung, wodurch der Ball zu weit oder zu kurz rollt. Trainiere beide Punkte getrennt: erst die Schlagentscheidung, dann die Ausführung.

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