8 Putt-Techniken im Detail
Wer besser putten will, sollte nicht auf eine einzige Wundermethode setzen, sondern die Technik wählen, die zu Griff, Körperbau und Nervosität passt – Cross-Handed und Claw Grip senken nachweislich die Handgelenksaktivität, AimPoint verbessert das Lesen von Breaks um oft entscheidende 5 bis 10 Zentimeter, und die Pendeltechnik liefert die konstanteste Rollgeschwindigkeit bei kurzen Putts bis 2 Meter. Das Putten macht im Schnitt 40 Prozent aller Schläge einer Runde aus – bei 90 Schlägen sind das rund 36 Putts. Schon eine Reduzierung um 2 bis 3 Putts pro Runde senkt das Handicap spürbar, oft um einen halben bis ganzen Schlag pro Monat bei regelmäßigem Training. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf verschiedene Putt-Techniken, die Golfern helfen können, ihre Fähigkeiten gezielt zu verbessern.
1. Straight Back and Through
Beschreibung: Diese Technik ist die grundlegendste und oft die bevorzugte Methode für Anfänger. Der Putter wird gerade nach hinten geführt und dann gerade durch den Ball geschwungen, ohne dabei die Schlagfläche zu verdrehen.
Vorteile: Sie ermöglicht eine einfache und kontrollierte Bewegung, da der Schläger in einer geraden Linie bleibt. Diese Technik ist besonders auf flachen Grüns und bei kurzen Putts bis etwa 1,5 Meter effektiv, wo die Fehlertoleranz gering sein muss.
Tipp: Konzentriere dich darauf, deine Handgelenke stabil zu halten und den Putter mit den Schultern zu führen. Ein face-balancierter Putter (erkennbar an der Schlagfläche, die beim Balancetest nach oben zeigt) unterstützt diese Technik am besten.
2. Arc Putting Stroke
Beschreibung: Bei dieser Technik beschreibt der Schläger eine leichte Bogenbewegung, bei der die Schlagfläche im Rückschwung leicht geöffnet und im Durchschwung wieder geschlossen wird.
Vorteile: Der Bogen-Putt (Arc Stroke) ist für Spieler mit einer natürlichen, kreisförmigen Bewegung geeignet. Er kann helfen, Putts auf längeren Distanzen ab 5 Metern präziser zu spielen, weil die Rotation dem natürlichen Schwungbogen der Schultern folgt.
Tipp: Arbeite an der Balance zwischen der Öffnung und Schließung des Schlägerblattes, um sicherzustellen, dass die Schlagfläche im Treffmoment wieder square ist. Ein Putter mit Toe-Hang zwischen 30 und 45 Grad passt am besten zu dieser Bewegung.
3. Cross-Handed Putting
Beschreibung: Bei dieser Technik wird die untere Hand am Schläger durch die obere ersetzt. Das bedeutet, dass der Rechtshänder die linke Hand unterhalb der rechten platziert, und umgekehrt.
Vorteile: Diese Technik hilft vielen Spielern, ihre Handgelenke ruhiger zu halten und ein besseres Gefühl für die Richtung zu bekommen. Sie kann auch dabei helfen, das „Verreißen“ des Putts nach rechts (bei Rechtshändern) zu minimieren, ein Fehler, der besonders bei Putts über 3 Meter Länge auftritt.
Tipp: Achte darauf, dass deine Schultern parallel zum Ziel ausgerichtet bleiben und du den Putter mit den Armen und Schultern führst. Viele Tourprofis mit Handicap-Vorbild nutzen diese Variante speziell bei kurzen, druckvollen Putts unter 1 Meter.
4. Claw Grip
Beschreibung: Der Claw-Griff hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Hier hält die dominante Hand den Schläger in einer „Krallen“-Position, während die andere Hand traditionell bleibt.
Vorteile: Der Claw-Griff reduziert die Bewegung des dominanten Handgelenks und hilft, eine gleichmäßigere Schlagfläche im Treffmoment zu erzeugen. Er ist besonders bei kurzen Putts bis 2 Meter effektiv und wird häufig von Spielern mit den sogenannten „Yips“ – unkontrollierten Handgelenksbewegungen – als Lösung genutzt.
Tipp: Stelle sicher, dass deine Arme und Hände entspannt sind, um den Putter natürlich durch den Ball zu schwingen. Ein Griffdurchmesser von 1,3 bis 1,5 Zentimeter mehr als Standard erleichtert den Übergang zu dieser Technik.
5. Belly Putter
Beschreibung: Diese Technik wurde früher oft mit einem Belly Putter (langer Putter, meist 100 bis 105 Zentimeter) durchgeführt, bei dem der Schläger in den Bauch gedrückt wurde, um eine stabile Achse zu schaffen. Seit dem Verbot des Ankerns durch die R&A und USGA im Jahr 2016 wird eine ähnliche Methode angewendet, indem der Griff des Putters näher am Körper gehalten, aber nicht mehr fest verankert wird.
Vorteile: Diese Technik stabilisiert den Schwung und hilft, die Bewegung gleichmäßig zu halten. Sie kann Spielern mit unruhigen Händen helfen, ihren Schwung zu kontrollieren, besonders bei Putts zwischen 3 und 8 Metern.
Tipp: Arbeite an der Stabilität deiner Hände und dem gleichmäßigen Schwung, um das Putten mit dieser Technik zu perfektionieren. Ein Putter mit 89 bis 92 Zentimeter Länge (statt Standard 86 Zentimeter) eignet sich für diesen Ansatz.
6. AimPoint Putting
Beschreibung: Diese Methode basiert auf einem System zur Einschätzung der Neigung und Geschwindigkeit des Grüns mittels Fingertechnik oder visueller Einschätzung in Prozentwerten (z. B. 1 bis 3 Prozent Gefälle).
Vorteile: AimPoint gibt Golfern ein klareres Verständnis für die Puttlinien und ermöglicht präzisere Entscheidungen über die Ausrichtung und Geschwindigkeit des Putts. Bei einem Gefälle von 2 Prozent auf 6 Metern Distanz kann der Break bereits 30 bis 40 Zentimeter betragen – ohne korrekte Einschätzung landet der Ball deutlich neben dem Loch.
Tipp: Nehme dir Zeit, die Neigungen des Grüns zu lesen und richte deinen Putt entsprechend aus, um eine genauere Linie zu finden. Ein AimPoint-Basiskurs dauert meist einen halben Tag und kostet je nach Anbieter zwischen 80 und 150 Euro.
7. Die Pendeltechnik
Beschreibung: Bei dieser Methode schwingt der Putter wie ein Pendel, indem die Bewegung hauptsächlich aus den Schultern kommt und die Arme stabil bleiben. Die Handgelenke sollten so wenig wie möglich aktiv sein.
Vorteile: Diese Technik sorgt für einen gleichmäßigen, kontrollierten Schlag, da die Bewegung flüssiger und stabiler ist. Sie wird oft von Spielern verwendet, die auf konsistente Putts setzen, besonders bei Distanzen zwischen 1 und 4 Metern, wo Score-relevante Fehler am häufigsten passieren.
Tipp: Achte darauf, dass deine Arme und Schultern synchron arbeiten, um die Pendelbewegung zu stabilisieren. Ein Metronom mit 70 bis 80 Schlägen pro Minute hilft, den Rhythmus zwischen Rück- und Durchschwung gleichmäßig zu halten.
8. Arm Lock Putting
Beschreibung: Der Arm Lock Putting Stil wird immer beliebter, vor allem auf der Profi-Tour. Hierbei wird der Puttergriff an den Unterarm gedrückt, wodurch das Handgelenk ruhig bleibt und mehr Stabilität entsteht.
Vorteile: Dies sorgt für einen extrem stabilen Schwung und verhindert unkontrollierte Bewegungen. Es bietet mehr Konstanz, besonders bei längeren Putts ab 5 Metern, wo kleine Handgelenksfehler sonst zu 1 bis 2 Meter Distanzabweichung führen können.
Tipp: Übe den Druck, den du auf den Unterarm ausübst, damit der Putter stabil bleibt, ohne zu verkrampfen. Arm-Lock-Putter sind meist zwischen 96 und 107 Zentimeter lang und benötigen eine Eingewöhnungszeit von mehreren Trainingseinheiten.
Vergleich der Putt-Techniken auf einen Blick
Nicht jede Technik passt zu jeder Distanz oder jedem Spielertyp. Die folgende Tabelle zeigt, welche Methode sich für welche Situation und welches Handicap-Niveau besonders eignet.
| Technik | Ideale Distanz | Empfohlen für Handicap | Hauptvorteil |
|---|---|---|---|
| Straight Back and Through | bis 1,5 m | Anfänger (36 bis 20) | Einfache, kontrollierte Linie |
| Arc Putting Stroke | ab 5 m | Fortgeschrittene (20 bis 10) | Natürlicher Schwungbogen |
| Cross-Handed | unter 1 m und über 3 m | alle Klassen | Ruhige Handgelenke |
| Claw Grip | bis 2 m | Spieler mit Yips | Weniger Handgelenksbewegung |
| Belly-Stil (ohne Ankern) | 3 bis 8 m | Senioren, unruhige Hände | Stabilere Körperachse |
| AimPoint | alle Distanzen | ab Platzreife | Präzises Grünlesen |
| Pendeltechnik | 1 bis 4 m | alle Klassen | Gleichmäßiger Rhythmus |
| Arm Lock | ab 5 m | Turnierspieler (10 und besser) | Maximale Stabilität |
Die häufigsten Fehler beim Putten – und die richtige Lösung
Viele Golfer verlieren nicht wegen falscher Technikwahl Schläge, sondern wegen einfacher, wiederkehrender Fehler. Hier die häufigsten Probleme und die passende Korrektur:
- Fehler: Kopf hebt zu früh. Lösung: Warte, bis du das Aufprallgeräusch hörst, bevor du zum Loch schaust – das verhindert seitliches Wegdrehen der Schlagfläche.
- Fehler: Zu viel Handgelenkseinsatz. Lösung: Wechsle testweise zu Claw Grip oder Cross-Handed, um die Handgelenke zu stabilisieren.
- Fehler: Falsche Geschwindigkeitseinschätzung. Lösung: Übe mit drei Bällen auf 3, 6 und 9 Meter Distanz, um ein Gefühl für Rollweiten zu entwickeln.
- Fehler: Aufstellung nicht parallel zur Ziellinie. Lösung: Nutze Alignment Sticks auf dem Übungsgrün, um Schulter- und Fußausrichtung zu kontrollieren.
- Fehler: Zu kurzer oder zu langer Rückschwung. Lösung: Trainiere mit einem Metronom im Rhythmus 2:1 (Rückschwung zu Durchschwung), um Konstanz aufzubauen.
- Fehler: Grünlesen wird komplett ignoriert. Lösung: Gehe bei jedem Putt einmal um das Loch herum und schätze das Gefälle in Prozent, bevor du dich aufstellst.
Fazit
Die richtige Putt-Technik hängt von deinem Spielstil und deiner körperlichen Verfassung ab. Es gibt keine „perfekte“ Methode, die für jeden passt. Probiere verschiedene Techniken aus, um zu sehen, welche am besten zu dir und deinem Spiel passt. Eine regelmäßige Übung ist entscheidend, um Vertrauen in die Putt-Technik zu entwickeln und diese auf dem Platz sicher anwenden zu können. Egal, ob du Anfänger oder erfahrener Golfer bist, das Putten kann immer verbessert werden – die richtige Technik bringt dich näher zu einem niedrigeren Score. In Deutschland gibt es einige renommierte Putting-Experten, darunter Paul Archbold aus dem Golf- und Country Club Seddiner See in der Nähe von Berlin. Für Trainingsstunden oder individuelle Termine kannst du seine Webseite besuchen und direkt eine Anfrage stellen.
Viel Erfolg auf dem Grün!
Foto: sattahipbeach/stock.adobe.com
🛒 Golf Trainingszubehör bei Amazon
👉 Schwung-Trainer ansehen
👉 Golf Übungsbälle ansehen
👉 Alignment Sticks ansehen
* Affiliate-Links | Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen
Häufig gestellte Fragen zu Putt-Techniken
Welche Putt-Technik ist für Anfänger am besten geeignet?
Für Einsteiger mit Handicap 36 bis 20 empfiehlt sich die Straight-Back-and-Through-Technik, da sie eine einfache, gerade Bewegung ohne Rotation erfordert. Kombiniert mit einem face-balancierten Putter lassen sich damit kurze Putts bis 1,5 Meter schnell zuverlässig treffen.
Wie oft sollte man Putten trainieren, um Fortschritte zu sehen?
Schon 15 bis 20 Minuten gezieltes Putttraining pro Übungseinheit, zwei- bis dreimal pro Woche, zeigen nach 4 bis 6 Wochen messbare Verbesserungen in der Trefferquote bei Putts unter 2 Metern. Wichtiger als die Dauer ist die Regelmäßigkeit und das Üben unterschiedlicher Distanzen.
Was kostet eine professionelle Putting-Lektion in Deutschland?
Eine Einzelstunde bei einem Putting-Spezialisten wie Paul Archbold liegt je nach Umfang meist zwischen 60 und 120 Euro pro Stunde, AimPoint-Kurse mit mehreren Teilnehmern kosten oft 80 bis 150 Euro pro Person für einen halben Tag. Genaue Preise erfährt man direkt über die Website des jeweiligen Anbieters.
Welche Rolle spielt die Putterlänge bei der Technikwahl?
Standardputter sind etwa 86 Zentimeter lang und passen zu klassischen Techniken wie Straight Back and Through oder Arc Stroke. Für Arm Lock oder den Belly-Stil werden längere Modelle zwischen 89 und 107 Zentimeter benötigt, da der Schaft näher am Körper oder Unterarm geführt wird.